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Bayülgen: „Im kulturellen Leben sichtbar zu sein, ist entscheidend“

„Ich möchte in Deutschland eine eigene Bühne etablieren"

DÜSSELDORF – Eine der renommierten Bühnen Düsseldorfs, das Capitol Theater Düsseldorf, war Gastgeber für Okan Bayülgens Stück „Kanlı Kabare (Blutiges Kabarett)“. Das von Bayülgen geschriebene und inszenierte zweiaktige Stück mit Derya Alabora, Sema Moritz, Nurhan Özenen, Nazlı Kurbal, Okan Bayülgen und Ferdi Taşkın stieß beim Publikum auf große Resonanz.

Bayülgen: „Im kulturellen Leben sichtbar zu sein, ist entscheidend“
Bayülgen: „Im kulturellen Leben sichtbar zu sein, ist entscheidend“

„Kanlı Kabare ist ein Stück über starke Frauen – ein Stück, in dem wir über Männer lachen. Ein Stück, das unterhält und zum gemeinsamen Lachen einlädt“, beschreibt Bayülgen sein Kabarettstück. Auf der Bühne tritt er in einen interaktiven Dialog mit den Figuren der Geschichte, stellt sie vor und überlässt anschließend Aysel, Alev und Matilda das Feld. Mit seinem schnellen Tempo und musikalischen Elementen gelingt es ‚Kanlı Kabare‘, die Aufmerksamkeit des Publikums durchgehend zu halten. Am 27. März wird das Stück auch in Berlin aufgeführt.
Vor der Aufführung in Düsseldorf sprachen wir mit Bayülgen über seine Arbeit in der deutschen Kunst- und Kulturszene.

Bayülgen: „Im kulturellen Leben sichtbar zu sein, ist entscheidend“
Bayülgen: „Im kulturellen Leben sichtbar zu sein, ist entscheidend“

RO: Sie kommen häufig nach Deutschland – nicht nur mit Kabarett. Woran arbeiten Sie aktuell?
Okan Bayülgen:
Vor zwei Jahren habe ich in Berlin ein Unternehmen im Bereich Unterhaltung und darstellende Künste gegründet und pendle seitdem intensiv zwischen den Städten. Außerdem habe ich hier eine Aufenthaltserlaubnis als freischaffender Künstler erhalten. Drei erfahrene Kollegen aus Istanbul arbeiten inzwischen ebenfalls in Deutschland mit mir zusammen. Unser Schwerpunkt liegt auf Theater- und Showproduktionen sowie deren Organisation – vor allem aber auf der Entwicklung von Inhalten. Wir möchten erfolgreiche Stücke, die wir in der Türkei geschrieben haben, professionell ins Deutsche übersetzen lassen und hier auf die Bühne bringen.

Bayülgen: „Im kulturellen Leben sichtbar zu sein, ist entscheidend“
Bayülgen: „Im kulturellen Leben sichtbar zu sein, ist entscheidend“

RO: Warum Kabarett? Was unterscheidet es vom klassischen Theater?
Bayülgen:
Kabarett ist zunächst einmal aktuell. Es ist politisch – aber auf seine eigene Weise. Es enthält Musik, Lieder, erzählerische Elemente. Dadurch wirkt es oft zugänglicher und unterhaltsamer als klassisches Theater.
Manche halten Kabarett deshalb für weniger „künstlerisch“. Das stimmt aber nicht. Auch Stücke von Bertolt Brecht haben kabarettistische Elemente. Viele Werke, etwa die Kabaretttradition unseres großen Meisters Haldun Taner, sind wichtige zeitgenössische und politische Satiren.

Bayülgen: „Ich möchte in Deutschland eine eigene Bühne etablieren
Bayülgen: „Ich möchte in Deutschland eine eigene Bühne etablieren

In Deutschland wird Kabarett manchmal als reine Unterhaltung verstanden – man geht hin, hört Musik, lacht. Während man beim „ernsten Theater“ still sitzt und konzentriert zuschaut. Diese Trennung gibt es für mich nicht.

Kabarett ist eine wichtige Theaterform – genau wie das Boulevardtheater.

Ich betreibe in Istanbul seit sieben, acht Jahren ein eigenes Kabarett, in dem regelmäßig Aufführungen stattfinden. Für mich gehört das alles zusammen – ich unterscheide nicht zwischen „hoher Kunst“ und „Unterhaltung“.
RO: Warum liegt Ihr Fokus auf Deutschland?
Bayülgen:
„Wir haben großen Respekt vor den Bemühungen vieler türkischer Theatermacher hier in Deutschland, die türkische Sprache lebendig zu halten und sie an die jüngeren Generationen weiterzugeben.
Unser Ziel ist es, unsere Stücke sowohl auf Türkisch als auch auf Deutsch zu spielen, damit auch ein deutsches Publikum Zugang dazu bekommt.
Wenn ich ins Ausland gehe, sehe ich gerade in Deutschland eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte. Die erste, zweite und dritte Generation hat hier eine starke Basis geschaffen. In Bereichen wie Industrie, Wissenschaft, Medizin und Kultur gibt es zahlreiche erfolgreiche Menschen türkischer Herkunft.
RO:Wie sehen Sie das sozio-kulturelle Leben der Türken in Deutschland?

Bayülgen: „Ich möchte in Deutschland eine eigene Bühne etablieren
Bayülgen: „Ich möchte in Deutschland eine eigene Bühne etablieren

Bayülgen: Ich würde mir wünschen, dass sie in diesem Bereich noch stärker vertreten sind. Neben Fabriken, großen Industrieanlagen oder Immobilienbesitz sollten Türken auch Eigentümer von Theatern und Veranstaltungsorten sein. Denn wichtiger als Geld, Immobilien oder Fabriken ist es, im sozio-kulturellen Leben sichtbar und stark präsent zu sein.
Wenn Kulturschaffende mit türkischem Hintergrund eigene Spielstätten betreiben, entstehen Räume, in denen internationale wie auch deutsche Produktionen ihren Platz finden. Ich spreche regelmäßig mit türkischen Unternehmern darüber und arbeite daran, selbst ein solches Showzentrum in Deutschland zu besitzen oder zu betreiben.
RO: Kommt nach „Kanlı Kabare“ ein weiteres Stück? Und Sie haben auch im Radio angefangen – was machen Sie dort?

Bayülgen: „Im kulturellen Leben sichtbar zu sein, ist entscheidend“
Bayülgen: „Im kulturellen Leben sichtbar zu sein, ist entscheidend“

Bayülgen: Während wir in Deutschland an deutschsprachigen Inszenierungen arbeiten, bringen wir gleichzeitig erfolgreiche Stücke aus der Türkei hierher, um sie dem türkischen Publikum zu zeigen. „Kanlı Kabare“ ist eines dieser Beispiele.
Als nächstes folgt ein künstlerisch anspruchsvolleres Stück:
Devlerin Savaşı“, das wir gemeinsam mit Celal Kadri Kınoğlu als Europapremiere hier aufführen werden – sowohl die US-Version als auch die türkische Version.
Außerdem arbeite ich wieder im Radio – bei Metropol FM. Dort führe ich Interviews mit erfolgreichen Menschen türkischer Herkunft in Deutschland: vom Taxifahrer über Restaurantangestellte bis hin zu Unternehmern, Wissenschaftlern, Politikern und Schriftstellern. Die Sendung läuft viermal pro Woche und stößt auf großes Interesse. Das Format ist offen für alle – unabhängig vom Beruf. Wenn wir uns gegenseitig unterstützen und positiv begegnen, bin ich überzeugt, dass wir hier gemeinsam ein starkes und erfülltes Leben aufbauen können. Reporter Online/ Hülya Sancak- Ahmet Elcivan/ DÜSSELDORF

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