Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) will die sogenannten Erstorientierungskurse (EOK) für Asylsuchende deutlich ausbauen. Bis 2029 sollen dafür rund 134 Millionen Euro bereitgestellt werden. Das Angebot wächst damit um etwa 60 Prozent.
Die Kurse richten sich vor allem an Menschen, deren Asylverfahren noch läuft. Sie erhalten dort erste Deutschkenntnisse und praktische Informationen für den Alltag in Deutschland.
Integrationskurse wieder stärker auf feste Bleibeperspektive ausgerichtet
Klassische Integrationskurse sollen künftig wieder vor allem Menschen offenstehen, die dauerhaft in Deutschland bleiben dürfen. Das entspricht der ursprünglichen Zielsetzung dieser Programme.
Gleichzeitig betont das BAMF: Auch Personen ohne gesicherte Bleibeperspektive bleiben nicht ohne Unterstützung. Für sie sind die Erstorientierungskurse gedacht, die grundlegendes Wissen über das Leben in Deutschland vermitteln.
EU finanziert Ausbau ab 2026
Die seit 2017 bestehenden Kurse werden ab November 2026 deutlich erweitert. Finanziert werden sie künftig über den europäischen Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF).
Allein für das Jahr 2026 sind im BAMF-Haushalt 23 Millionen Euro vorgesehen. Insgesamt stehen bis Mitte 2029 rund 134 Millionen Euro zur Verfügung.
BAMF-Präsident Hans-Eckhard Sommer erklärt, mit den EU-Mitteln könne das Angebot stark erweitert werden, ohne zusätzliche Bundesgelder einzusetzen. Die Kurse seien gezielt für Menschen gedacht, deren Aufenthaltsperspektive noch unklar sei.
Orientierung für den Alltag von Anfang an
Ziel der Erstorientierungskurse ist eine schnelle Unterstützung direkt nach der Ankunft. Die Teilnehmenden lernen:
erste deutsche Wörter und Sätze,
Regeln und Werte des Zusammenlebens,
praktische Dinge wie Einkaufen, Wohnen, Arbeit oder Mobilität.
Die Kurse bestehen aus mehreren Modulen und umfassen insgesamt rund 300 Unterrichtsstunden.
Verzahnung mit Integrationskursen
Der Ausbau der Erstorientierungskurse läuft parallel zu einer Reform der Integrationskurse. Diese sollen sich künftig stärker auf Menschen konzentrieren, die rechtmäßig und dauerhaft in Deutschland leben.
Nach Angaben des BAMF bleibt jedoch niemand ohne Sprachförderung: Wer keinen Integrationskurs besuchen kann, erhält ein Angebot über die Erstorientierungskurse.
SCHNELLERE ASYLVERFAHREN
Gleichzeitig baut das BAMF offene Asylverfahren weiter ab. Mit derzeit rund 87.000 anhängigen Verfahren hat sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert.
Die durchschnittliche Dauer eines Asylverfahrens liegt aktuell bei 10,7 Monaten. Etwa 60 Prozent der Verfahren werden bereits innerhalb eines Jahres abgeschlossen – im Schnitt nach rund 3,1 Monaten.
Nach einer positiven Entscheidung können Betroffene dann direkt in einen Integrationskurs wechseln. Reporter Online/BAMF- Foto: Marion Vogel




